Lektion 03

Vertiefung der Bildanalyse nach Christian Doelker.

10.10.2019


Flexibler Kode

Wir haben uns noch einmal mit der Bildanalyse von Christian Doelker beschäftigt. Dabei haben wir uns auf die vierte Bedeutungsebene mit den flexiblen Codes fokussiert.

Darunter wird die deklarierte Bedeutung (Bildlegenden), die artikulierte Bedeutung (Bildgrammatik), die kontextuelle Bedeutung (Perspektiven, Kenntnis Gesamtwerks), die intertextuelle Bedeutung (Bildzitate, Anspielung auf Werke anderer Epochen) und die transtextuelle Bedeutung (Zeitgeschehens, Biografie der Abgebildeten) beschrieben.

Die artikulierte Bedeutung

«Bildgrammatik» Bild aus nachvollziehbaren bildnerischen Elementen aufgebaut.

Die Bildgrammatik beschreibt, wie ein Bild aufgebaut ist und damit Bilder richtig verstanden werden. Bei Passfotos als Beispiel, gibt es eine vorgeschriebene Norm. Es ist also genau vorgeschrieben, welches Format es haben muss. Das heisst, dass der Gesichtsausdruck, die Blickrichtung, die Körperhaltung, die Körperposition usw. ein einheitliches Format bilden sollen.

Bewerbungsfotos

Im Unterschied zu Bewerbungsfotos gibt es eigentlich keine vorgeschriebene Norm. Dennoch sind die Bewerbungsfotos ähnlich aufgebaut. Es gibt praktisch gesehen eine bestimmte Bildgrammatik dahinter, die Bewerbungsfotos als solches erkenntlich macht.

MitarbeiterInnenfotos

Ein weiteres Beispiel bezüglich Bildgrammatik ist in MitarbeiterInnenfotos einer Firma oder Institution zu erkennen. Sie folgen oft einem gleichen Bildaufbau, um sie eben zu vereinheitlichen und rasch lesbar zu machen.

DSBG4public.ch

Die Bildgrammatik kann auch bei Tutorials eingesetzt werden. Auf dsbg4public.ch kann man dies sehr gut mitverfolgen. Mit einfachen Mitteln wird versucht, die Tutorials und Bilder rasch lesbar zu machen.

  • Bewegungsrichtung von links nach rechts
  • Unterschiedliche Kleidung
  • Möglichst gleiche Aufnahmesituation

Die deklarierte Bedeutung

Bildlegenden (Legende = «wie gelesen werden muss»)

Bilder werden im Kontext von Werbung oder auch Zeitschriften meist in Kombination mit Text zu einer Botschaft verknüpft. Die Bilder haben dabei die Funktion die Botschaft zu illustrieren, dass heisst die Botschaft zu verstärken.

In der Lektion haben wir als Beispiel das Bild zum Zeitschriften-Artikel «Eine Frage der Haltung» analysiert und wie es auf uns wirkt. Darauf eine Buddha-Figur in einer entspannten Haltung. Sitzt in einem Garten in einer Oase der Ruhe. Es wird meditiert. Es ist ein friedliches Bild.

Man bildet also Assoziationen, die zum Bild und zum Titel passen. Das Thema des Artikels ist die Stressreduktion.

Die Bildredaktion (Auswahl der publizierten Bilder) und die Textredaktionen (Botschaft des Artikels passend zum Bild illustrieren) arbeiten dabei eng zusammen.

Achtung: Bild und dazugehöriger Leadtext können auch irritieren

Was sieht man? Wie wirkt das Bild? Wie wirkt die Person?

Portrait: Mann im Atelier, Hintergrund unscharf, zielsicher bei seiner Arbeit, malt viele Portraits

Doch der Text dazu, die Bildlegende sagt unter dem Bild:

Der Comiczeichner und Illustrator Andreas Gefe wäre im Indischen Ozean fast ertrunken und lässt sich nicht gerne von oben fotografieren.

(Quelle Tages Anzeiger: September 2016, Fotografie: Doris Fanconi)

Weiteres Beispiel

Bilder und die Verknüpfung von Überschriften/Texte. 

Christine Bärlocher über das Thema Senioren, Rentner, Grosseltern hüten ihre Enkelkinder. 

Schlagzeilen über ein Bild

Mit den Bildern kann es auch zu unsorgfältigem Umgang kommen. Die Schlagzeile über ein Bild können in diesem Sinne unterschiedlich ausfallen.

Schlagzeile: Ein Dankeschön den Grosseltern

ODER: Der Missbrauch eines Bildes

Schlagzeile: Der teure Spass der späten Väter.

Anonyme Bilder

Bei heiklen, sozialen Themen in der Gesellschaft benützt man anonyme Bilder, in denen «schwarze Balken» das Gesicht der Person verdecken oder andere Dinge, die als schlecht angesehen werden.

Als Beispiel: Ja". - Plakat der SVP Schweiz zur Abstimmung über die Ausschaffungsinitiative (2010)

Arbeitsauftrag 03

Das Bild und die dazugehörige Bildlegende/Text soll festlegen, wie das Bild gelesen werden soll. 

Reflexion

Heute haben wir uns vertieft mit der Bildanalyse von Christian Doelker beschäftigt. Die "Bildgrammatik" ist mir dabei im Kopf geblieben. Wie ein Bild aufgebaut ist und verstanden werden soll! Passfotos sowie Bewerbungsfotos haben eine eigene Sprache/ein eigenes Muster, dass sie verfolgen. Des weiteren nageln Bildlegenden die Bedeutung eines Bildes fest. Die Bilder werden von jedem Betrachter anders gelesen. Mit einer Bildlegende wird einem klarer, um was es geht. Achtung, Bildlegenden könne aber auch irritierend auf uns wirken.

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